Rocktext: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Mikiwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 21: Zeile 21:
** "We want the world and we want it now" von den Doors
** "We want the world and we want it now" von den Doors
* polemische Formulierungen von Standpunkten
* polemische Formulierungen von Standpunkten
** "One, two, three, four, we don't need this fuckin' war" von Country Joe
** "We are the other people" von Frank Zappa
** "Every cop is a criminal" von den Rolling Stones (in "Sympathy for the Devil")
** "A working class hero is something to be" von John Lennon
** "Up against the wall, motherfucker" von David Peel
* Beschreibung politischer wie menschlicher Niederlagen
** "Four dead in Ohio" von Neil Young
** "Freedom's just another word for nothing left to lose" von Kris Kristofferson
** "They just won't let you be, oh no" von Robert Hunter


Anstatt den Soundtrack zur Revolution zu spielen, waren die Rockmusiker längst Zulieferer einer gigantischen Verwertungsindustrie geworden, selbst wenn eine Unmenge von Texten die innere Struktur des Rockgeschäfts betreffen:
* "Truckin'" von den Grateful Dead
* "If six was nine" von Jimi Hendrix
* "Business is business" von John Kay


Viele Rockmusiker fühlten sich in der Rolle von weltanschaulichen und politischen Ersatzfiguren unwohl und überfordert, dem Ratschlag Bob Dylans entsprechend ("Don't follow leaders, watch the parking meters") und zogen die überlebenswichtige Konsequnez: "If you can't beat them, join them". Sie spielten also weiter Rock, als arme wie als schwerreiche Jungs, jetzt freilich nach dem Motto: "We won't get fooled again" (Pete Townshend).
Weitere Themen waren
* Kritik an den Praktiken des Rockgeschäfts
** "Denmark Street" von Ray Davies (Kinks)
** "Hard Rock Town" von Murray McLauchlan
** "Business" von Godley und Creme
* Einsatz für Minderheiten, auch sprachlose der Tierwelt
** "Last lonely eagle" von den New Riders of the Purple Sage
** "Save the whales" von Country Joe
Das Gesamtwerk von einflussreichen Musikern wie [[Captain Beefheart]] und Moondog ("Enough about Human Rights") ist nur in diesem ökologischen Kontext zu verstehen, Neil Youngs "Look at Mother Nature on the run in the 1970s" sowieso.
Allgemeine Zivilisationskritik
* "Cortez the Killer" von Neil Young
* "Bold marauder" von Richard Fariña (John Kay, LP <i>Forgotten songs and unsung heroes</i>)
* "European son" von den Velvet Underground
* "Madman" von der Alpha Band
* "Funky western civilization" von Tonio K.
Artikulation und Profilierung von Frauen
* "Woman is the nigger of the world" von Yoko Ono
Das neue schwarze Selbstbewusstsein
* "Say it loud, I'm black and I'm proud" von James Brown
* "We're a winner" von Curtis Mayfield
Minderheiten-Erfahrungen indianischer Rockmusiker
* Link Wray
* Jerry Riopelle
* mehr mit Bitternis: die Liedermacher Patrick Sky, Floyd Westerman, Willie Dunn
* veräusserlichte Kundgebungen: Redbone
* stilistische Unsicherheit: XIT
Rassismus
* "Rock against racism"
Diskriminierung sexueller Minderheiten
* Tom Robinson
* Flying Lesbians
Öffentliche Vorgänge jeder Art
* "Rock gegen alles" von Checkpoint Charlie
Rocktexte sind selten Lesebuchlyrik, sondern oft Sprachrohr populärer Kulturkritik.
Eigenständige literarische Erzeugnisse von Rockmusikern sind selten und meist eher begabte Versuche als literarische Ereignisse:
* Richard Fariña: <i>Been down so long, it feels like up to me</i>
* John Lennon: <i>In his own write</i>
* John Lennon: <i>A Spaniard in the works</i>
* Bob Dylan: <i>Tarantula</i>





Version vom 1. Februar 2010, 19:10 Uhr

Der Rocktext als textlicher Inhalt eines Rockstücks gehört zur Gattung der "Gebrauchsdichtung", ebenso wie die meisten Volkslieder, Bluesgesänge, Poesiealbum-Verse und religiöse Lieder. Rocktexte sind eine Art Interessen-Lyrik, die kollektive Wünsche und Befürchtungen ausdrücken, Ratschläge an andere erteilen, zumeist geschlechtsspezifisch (aus männlicher Sicht) formuliert sind und auch Grenzlinien zwischen "wir" und den "anderen" ziehen. Selbst als ichbezogene Ausführungen gelten sie oft als Stimme einer jugendlichen Gemeinschaft.

Da Rocktexte vertont und gesungen werden, geraten sie fast automatisch bestenfalls auf ein mittleres Qualitätsniveau. Allzu langweilig und nichtssagend dürfen sie nicht sein. Vor allem wichtig ist aber die Musik und die meisten Gruppenmitglieder verstehen sich in erster Linie als Musiker, nicht als Dichter. Poesie ist da Nebensache. Die literarische Mittelmässigkeit vertonter Texte lässt sich übrigens auch in den meisten Kantaten Bachs, den Oratorien von Haydn und den Liedern von Mozart und Schubert feststellen.

Bemerkenswerterweise sind aus Rocktexten bisher so gut wie keine "geflügelten Worte" entstanden, obwohl es im Hinblick auf ihrer millionenfache Verbreitung anzunehmen sein müsste. Bestenfalls gibt es einige Wendungen oder Parolen, die mit einem bestimmten Musiker in Verbindung gebracht werden, etwa

  • "A-wop-bop-a-loo-bop-a-lop-bam-boom" mit Little Richard
  • "I can't get no satisfaction" mit den Rolling Stones
  • "It's only rock'n'roll but I like it" mit den Rolling Stones
  • "Sex and drugs and rock and roll" mit Ian Dury

Zu den Ausnahmen gehören "Keine Macht für niemand" und "Macht kaputt, was euch kaputt macht" von Ton Steine Scherben. Bekannter waren dagegen kurzfristig einige Losungen, die Ende der 1960er Jahre im Zuge des allgemeinen "Aufstands" gegen die Erwachsenenwelt entstanden:

  • "Trau keinem über dreissig"
  • "Tune in, turn on, drop out" von Timothy Leary

Genauso wie der Blues vor dem Hintergrund einer massiven gesellschaftlichen Diskriminierung sich die doppelbödige Verständigungsmöglichkeit des "double talk" schuf, wo das Gesagte nie das Gemeinte war, so schufen sich auch Kinder und Jugendliche seit jeher sprachliche Mitteilungsformen, die den Erwachsenen unzugänglich bleiben sollten.

Als sich der Rock der textlichen Bevormundung durch professionelle Hitschreiber zu befreien begann, entstanden weniger literarische Texte als

  • direkte Forderungen
    • "Why can't we gon on as three?" von David Crosby
    • "Don't step on the grass, Sam" von Steppenwolf
    • "We want the world and we want it now" von den Doors
  • polemische Formulierungen von Standpunkten
    • "One, two, three, four, we don't need this fuckin' war" von Country Joe
    • "We are the other people" von Frank Zappa
    • "Every cop is a criminal" von den Rolling Stones (in "Sympathy for the Devil")
    • "A working class hero is something to be" von John Lennon
    • "Up against the wall, motherfucker" von David Peel
  • Beschreibung politischer wie menschlicher Niederlagen
    • "Four dead in Ohio" von Neil Young
    • "Freedom's just another word for nothing left to lose" von Kris Kristofferson
    • "They just won't let you be, oh no" von Robert Hunter

Anstatt den Soundtrack zur Revolution zu spielen, waren die Rockmusiker längst Zulieferer einer gigantischen Verwertungsindustrie geworden, selbst wenn eine Unmenge von Texten die innere Struktur des Rockgeschäfts betreffen:

  • "Truckin'" von den Grateful Dead
  • "If six was nine" von Jimi Hendrix
  • "Business is business" von John Kay

Viele Rockmusiker fühlten sich in der Rolle von weltanschaulichen und politischen Ersatzfiguren unwohl und überfordert, dem Ratschlag Bob Dylans entsprechend ("Don't follow leaders, watch the parking meters") und zogen die überlebenswichtige Konsequnez: "If you can't beat them, join them". Sie spielten also weiter Rock, als arme wie als schwerreiche Jungs, jetzt freilich nach dem Motto: "We won't get fooled again" (Pete Townshend).

Weitere Themen waren

  • Kritik an den Praktiken des Rockgeschäfts
    • "Denmark Street" von Ray Davies (Kinks)
    • "Hard Rock Town" von Murray McLauchlan
    • "Business" von Godley und Creme
  • Einsatz für Minderheiten, auch sprachlose der Tierwelt
    • "Last lonely eagle" von den New Riders of the Purple Sage
    • "Save the whales" von Country Joe

Das Gesamtwerk von einflussreichen Musikern wie Captain Beefheart und Moondog ("Enough about Human Rights") ist nur in diesem ökologischen Kontext zu verstehen, Neil Youngs "Look at Mother Nature on the run in the 1970s" sowieso.

Allgemeine Zivilisationskritik

  • "Cortez the Killer" von Neil Young
  • "Bold marauder" von Richard Fariña (John Kay, LP Forgotten songs and unsung heroes)
  • "European son" von den Velvet Underground
  • "Madman" von der Alpha Band
  • "Funky western civilization" von Tonio K.

Artikulation und Profilierung von Frauen

  • "Woman is the nigger of the world" von Yoko Ono

Das neue schwarze Selbstbewusstsein

  • "Say it loud, I'm black and I'm proud" von James Brown
  • "We're a winner" von Curtis Mayfield

Minderheiten-Erfahrungen indianischer Rockmusiker

  • Link Wray
  • Jerry Riopelle
  • mehr mit Bitternis: die Liedermacher Patrick Sky, Floyd Westerman, Willie Dunn
  • veräusserlichte Kundgebungen: Redbone
  • stilistische Unsicherheit: XIT

Rassismus

  • "Rock against racism"

Diskriminierung sexueller Minderheiten

  • Tom Robinson
  • Flying Lesbians

Öffentliche Vorgänge jeder Art

  • "Rock gegen alles" von Checkpoint Charlie

Rocktexte sind selten Lesebuchlyrik, sondern oft Sprachrohr populärer Kulturkritik.

Eigenständige literarische Erzeugnisse von Rockmusikern sind selten und meist eher begabte Versuche als literarische Ereignisse:

  • Richard Fariña: Been down so long, it feels like up to me
  • John Lennon: In his own write
  • John Lennon: A Spaniard in the works
  • Bob Dylan: Tarantula