Martin Hauzenberger/Biografie

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Martin "Hauzi" Hauzenberger ist Sohn eines Methodistenpfarrers, der bereits als keliner Junge seine ersten Auftritte als Strassenmusiker hatte - mit wenig Begeisterung allerdings, denn vor Weihnachten musste er nämlich im Zürcher Niederdorf fromme Lieder vortragen. Später begann er englische und US-amerikanische Folklieder nachzusingen, beeinflusst von Peter, Paul and Mary, den Brothers Four und dem Kingston Trio. Bald wurden jedoch Bob Dylan, Phil Ochs und Tom Paxton immer wichtiger, ebenso die Franzosen Georges Brassens, Léo Ferré, Jean Ferrat und der Belgier Jacques Brel. Ebenso tauchten die Beatles und die Rolling Stones zuerst dank den französischen Hitparaden in der Berner Stube auf. Als nächstes erschienen die Berner, hauptsächlich Mani Matter und Fritz Widmer, die sich auch besser nachsingen und mit der Zeit gar kopieren liessen.

Schliesslich schickte Hauzenberger an Hugo Ramseyer vom Berner Zähringer-Refugium und Zytglogge-Verlag einige Lieder und durfte 1972 tatsächlich auf die Zähringer-Bühne. Es entstand die Gruppe Berner Chansonniers, zu der auch Susi Tellenbach, Michael Graf und Hugo Ramseyer gehörten, und die in den 1970er Jahren ungezählte Auftritte in den damals zahlreichen Schweizer Kleintheatern gaben. In der damals höchst aktiven Politliedermacher-Szene sang Hauzenberger auch oft an gemeinsamen Veranstaltungen mit Kollegen wie Aernschd Born, Tinu Heiniger, Urs Hostettler, Jürg Jegge, Walter Lietha und Gusti Pollak.

Sein erstes eigenes Album, Der Mitroucher (Mundart-Chansons) (1975) entstand unter Mitwirkung des Trios Poesie und Musik (René Bardet, Orlando Valentini, Andreas Vollenweider). Nach einem einzigen Probenachmittag wurden die Aufnahmen in knapp zwei Tagen in Zürich bei Bruno Spoerri eingespielt. Zusätzlich auf zwei Stücken mit dabei war Housi Holzherr (Banjo) von der Berner Gruppe "Bluegrass Blossoms".

Für das Album Trotz der Obrigkeit (Lieder zur Schweizer Geschichte) (1977) steuerte Martin Hauzenberger die zwei Lieder "Strassenschlacht und "Ryslöifer" bei, ausserdem wirkte er auf zwei Stücken von Jürg Jegge mit ("De Vertrag" und "Carmagnole"). Ab 1978 arbeitete er neun Monate lang für die Migros-Zeitung Tat. Ein Streit um Mitbestimmung bei der Chefredaktorenwahl führte 1978 zum Streik der Redaktion und zur Schliessung der Zeitung. Anlässlich des Redaktoren-Streiks veröffentlichte er die Single Liebeslied a d Migros, die in weniger als einer Woche entstand und sich rasch fast 2000 mal verkaufte - allerdings nicht in den Plattenläden sondern auf der Strasse und in Beizen. Nach einem weiteren Jahr bei der Zytglogge-Zytig arbeitete er zwei Jahre für die Schweizer Illustrierte und ging dann zur Sendung "DRS aktuell" (heute "Schweiz aktuell") beim Schweizer Fernsehen DRS, wo er bis 1987 als Nachrichtenredaktor arbeitete.

Ende der 1970er Jahre tat sich Hauzenberger mit dem in Bern Geologie studierenden Thurgauer Roger Heinz (Gitarre) zusammen, der damals in zahlreichen Berner Formationen musikalisch aktiv war und mit dem er seit nunmehr über dreissig Jahren zusammenspielt. Mit dem Hackbrett erschloss sich Hauzenberger eine weitere Musikwelt - vom Emmental bis Finnland, vom Appenzellerland bis hinaus in die ganze Weltmusik. Neu war auch seine Mitgliedschaft bei der Reiti Musig aus Häckligen im Emmental. Von August bis September 1980 nahm er schliesslich sein zweites Album Mini Herre (Mundartlieder) (1981) auf. Roland Scherrer arrangierte seine Hackbrettlieder und ist mit seinen originellen Kompositionen auch heute noch in seinem Repertoire vertreten.

Für die Zusammenstellung Bollement (1982) nahmen in einer zweiwöchigen Aufnahmesitzung rund 70 Musiker im verlassenen Hotel de la Gare in Bollement im Jura Lieder auf. Das viersprachige Album enthält Stücke, die aus unterschiedlichsten Traditionen und Kulturen schöpfen, vom Dudelsack zum Saxophon und vom Bauernlied bis zum Demosong; Hauzenberger steuerte dazu das Lied "AJZ" bei. 1983 ist er auf einer Chinareise mit einer Gruppe von Schweizer Künstlern dabei und gibt 14 Auftritte mit Polo Hofer, Franz Hohler, Dimitri und Kaspar Fischer.

Hauzenbergers drittes Album Verreise (1985) entstand nach einer mehrmonatigen Reise nach Südostasien, Australien und dem Südpazifik - mit Liedern sowohl über jene Weltgegenden als auch über die Schweiz und den Fussball auf einer süditalienischen Insel. Die Aufnahme erschien auf Fata Morgana Records, dem Plattenlabel der gleichnamigen Liedermachergenossenschaft. Kurz nach ihrem Erscheinen setzte gemäss Hauzenberger "die CD endgültig durch, und weil danach die Plattenspieler bei der potenziellen Käuferschaft fehlten, landeten die letzten knapp 300 Verreise-Schallplatten im PVC-Sondermüll - gegen eine Entsorgungsgebühr von total 4 Franken und 50 Rappen, wie es im Lied Winzig u gleitig u glänzig der 2008 erschienenen CD Früecher, hütt, gäng wahrheitsgemäss geschildert wird." Meiner Erinnerung nach setzte sich die CD allerdings erst um 1990 durch und die 300 Platten wurden wohl eher vernichtet werden, weil sie auch als CD niemand hätte kaufen wollen. Aber sei's drum. Jedenfalls enthielt das Album mit "We d'se gsehsch (Für M.)" auch eine schweizerdeutsche Fassung des Lieds "If you see her say hello" von Bob Dylan.

Ab 1987 arbeitete er zwei Jahre als Ressortchef Kultur bei der Berner Zeitung und vier Jahre als Auslandredaktor bei der "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens. Als Hauzenberger in den 1980er Jahren an der Güterstrasse in Bern im selben Haus wie Klarinettist, Journalist und PR-Fachmann Karl Johannes Rechsteiner wohnte, entstand der Kontakt zur musikalischen Familie Rechsteiner mit ihrer Stubemusig und die Gründung der Gruppe Cargo Street Music. Das vierte Album Stuune (1991) erschien dann als CD und enthielt unter anderem auch heute noch aktuelle Texte über die NEAT oder den "Fichenstaat" - genauso wie Yatas Traum von einem Staat Kanaky statt eines französischen Überseeterritoriums Nouvelle Calédonie bis heute eine Illusion geblieben ist. Enthalten waren auch etliche Instrumentalstücke sowie traditionelle Weisen aus Irland, Finnland und der Ukraine. Erstmals mit dabei waren die drei Brüder Nik, Christoph und Karl Johannes Rechsteiner, die bis heute neben Hauzenberger und Roger Heinz drei Fünftel der Gruppe Hauzi and Friends ausmachen.

1993 wechselte er zum Wirtschaftsblatt Cash, wo er als Produzent arbeitete und jahrelang nebenher die wöchentliche Satirerubrik "Oskars" und manchen Beitrag für die Kulturseiten schrieb. 1996 ging er zurück zum Fernsehen, zur Sendung "Quer" mit Röbi Koller, 1999 wieder zurück zu Cash. Als dort 2002 die Produktion abgeschafft wurde, erlaubte sich "Oskar" Hauzenberger zu diesem Thema einen kleinen satirischen Kommentar und wurde umgehend freigestellt. Es folgten fünf Jahre als Teilzeitproduzent beim Beobachter, wo Hauzenberger von September 2003 bis Ende 2006 auch in jeder Ausgabe des zweiwöchentlich erscheinenden Hefts eine Kolumne unter dem Namen "Ansichtssache" verfasste. Seither ist er Produzent des Magazins Zeitlupe : das Magazin für Menschen mit Lebenserfahrung von Pro Senectute Schweiz und wohnt in Zollikon / ZH.

Auf dem Album Früecher, hütt, gäng (Zwo Schybe Schwyzer Musig-Gschicht u Gägewart) (2008) waren 43 Lieder aus 35 Jahren enthalten: Auf der ersten CD eine Auswahl der seit 1990 entstandenen Lieder, dazwischen Melodien aus aller Welt, die Hauzi and Friends bei ihren Auftritten spielen. Auf der zweiten CD vereint ist eine Auswahl aus den drei Vinyl-LPs, sowie einige zuvor nur auf Single oder Zusammenstellungen veröffentlichte Lieder.

Besetzung

  • Hauzi and Friends: Martin Hauzenberger (Stimme, Gitarre, Hackbrett), Roger Heinz (Gitarre), Christoph Rechsteiner (Geige), Karl Johannes Rechsteiner (Klarinette, Flöte), Nik Rechsteiner (Bass)