Louis-Ferdinand Céline/Biografie

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1865

Geburt von Ferdinand Auguste Destouches in Le Havre als Sohn von Auguste Destouches (gestorben 1874), der am Lyzeum von Le Havre Sprachunterricht in den Handelskursen erteilt und lyrisch-prosaische Bücher veröffentlicht, darunter Gedichte und den Fortsetzungsroman Une dette de coeur.

1868

  • 10. September: Geburt von Marie Marguerite Céline Guillou in Paris als Tochter der Stiefelnäherin Céline Guillou und des Soldaten Julien Jacques. Infolge einer Rachitis zieht sie ein Bein leicht nach.

1893

  • 8. Juli: Heirat von Ferdinand Destouches und Marie Marguerite Céline Guillou.

1894

  • 27. Mai: Louis-Ferdinand Auguste Destouches wird in Courbevoie (Dép. Hauts-de-Seine, Frankreich) geboren. Sein Vater Ferdinand Destouches ist Versicherungsangestellter, seine Mutter Marie Marguerite Céline Destouches ist Ladeninhaberin. Sein Pate ist sein Onkel Louis Guillou. Den dritten Vornamen erhält er nach dem Grossvater väterlicherseits, Auguste Destouches.

Wegen einer Tuberkuloseinfektion der Mutter wird Louis-Ferdinand nach der Geburt bei Verwandten versorgt.

1895-1897

Louis-Ferdinand wird von einer Amme betreut. Anschliessend wird er zur Betreuung seiner Grossmutter Céline Guillou übergeben, während die Eltern ihrer Berufstätigkeit nachgehen.

1897

Die Familie Destouches wohnt in der Rue de Babylone. Kurz darauf in der Rue Ganneron.

1899

Die Mutter Marguerite Destouches übernimmt in der Passage Choiseul 67 (später 64) an der Rue Saint Augustin ein Verkaufsgeviert, dessen Ladenschild von "Objets de curiosité en boutique" kündet: Luxuswäsche, Spitzenbesetztes, Nippes, Kommodenfiguren, Briefbeschwerer.

Die Familie Destouches zieht in die Passage Choiseul in Paris.

1900

Grundschule.

1904

  • 18. Dezember: Tod der 57-jährigen Grossmutter mütterlicherseits, Céline Guillou. Was von dieser lebhaft-träumerischen Grossmutter bleibt ist Bobs, der Foxterrier.

Das grossmütterliche Erbe erlaubt der Mutter, das Risiko eines Ladengeschäfts einzugehen.

1905

  • Februar: Louis-Ferdinand besucht nun die katholische Privatschule Saint-Joseph-des-Tuileries, zehn Minuten Fussweg von der elterlichen Wohnung entfernt.
  • 18. Mai: Kommunion.

1906

  • Oktober: Wechsel an die Städtische Schule an der Rue d'Argentueil.

1907

Umzug in eine Bürgerwohnung in der Rue Marsolier. Die Familie unterhält ausserdem ein Boot in Ablon (Dép. Calvados) - für Wochenenden in der Sommerfrische. Seitdem werden Familienurlaube in der Nähe von Patenonkel Louis Guillou verbracht. Zudem erhält Louis-Ferdinand Klavierunterricht.

  • 21. Juni: Louis-Ferdinand erhält an der Städtischen Schule sein unteres Mittelschulzeugnis und den Marie-Amélie-Debat-Preis für gutes Betragen.

Ausbildung in einer privaten Pensionspflegschaft in Diepholz, südlich von Bremen, beim Lehrerehepaar Schmidt.

1908

Nach Ostern kommt er für einige Wochen nach Karlsruhe, wo sein Erziehungsbeauftragter Rudolf Bittrolff bemerkt:

Ich halte Louis für einen sehr intelligenten, doch faulen Jungen, wie Sie gesagt haben. [...] Was sein Deutsch angeht, so bin ich der Meinung, dass seine Aussprache nicht sorgfältig geschliffen worden ist. [...] Er redet unablässig, doch ihm unterlaufen zahlreiche grammatikalische Fehler, Deklinations- und Konjugationsendungen betreffend. [...] Ich bin der Meinung, er hat in Diepholz seine Zeit vertan.

  • Ende Dezember: Über Strassburg kehrt Louis-Ferdinand nach Paris zurück.

1909

  • 22. Februar: Louis-Ferdinand und sein Vater besteigen in Calais das Fährboot nach England, um über Dover und Folkestone nach Rochester zu gelangen.
  • Februar: Louis-Ferdinand schreibt sich an der University School in Rochester (Kent, Grossbritannien) ein.
  • März - November: Wechsel an die Pensionsschule Pierremont Hall in Broadstairs (Kent, Grossbritannien), wo er sich zum Kaufmann ausbilden lässt.

1910

  • Januar: Antritt einer Lehrstelle in Paris bei Herrn Raimon, einem einflussreichen Stoffhändler mit Nierderlassungen in Lyon, St. Etienne, London und New York.
  • September: Louis-Ferdinand arbeitet nun bei den Juwelieren Robert und Wagner.

1911

  • Oktober: Louis-Ferdinand erhält aufgrund seiner guten Zeugnisse das Angebot, in die Filiale in Nizza des renommierten Juwelierhandels Lacloche einzutreten. In Nizza geniesst er in den Kabaretts und Music Halls die dargebotenen Film- und Variété-Vorführungen

1912

  • 12. Mai: Louis-Ferdinand verlässt Nizza, um sich seiner Militärdienstpflicht zu entledigen. Nach dreijähriger Militärzeit stünde ihm die Karriereleiter im Haus Lacloche in der Sparte Gold und Diamanten offen.

Beginn des freiwilligen dreijährigen Dienstes im 12. Kürassierregiment, das in Rambouillet (Dép. Yvelines) stationiert ist. Unter anderem nimmt er an den letzten Kavalleriemanövern unter Staatspräsident Armand Fallières und Raymond Poincaré teil.

1913

  • 5. August: Beförderung zum Obergefreiten. Eine Monate später zum Kavallerie-Unteroffizier.
  • Herbst: Louis-Ferdinand schreibt das Notizbuchs des Kürassiers Destouches, das impressionistisch getönte, kadenttenromantische Tagebucheintragungen enthält.

1914

  • 31. Juli: Mobilisierung des 12. Kürassierregiments.
  • 3. August: Das Deutsche Reich erklärt Frankreich den Krieg.
  • Oktober: Feuertaufe in der Gegend von Armentières (Dép. Nord), eine von Kanälen und tiefen Gräben durchsetzte Gegend, die kaum für Kavallerie geeignet ist. In einem Kriegsbrief schreibt er:

Der Kampf beginnt kolossal, nie habe und nie werde ich solche Schreckensbilder zu sehen bekommen wir durchlaufen dieses Schauspiel nahezu unbewusst in der stumpfen Gewohnheit der Angst. [...] Keine Neuigkeiten vom Schlachtfeld fast auf gleicher Kampflinie seit drei Tagen die Toten werden regelmässig ersetzt durch Lebende...

  • 19. Oktober: Erreichen von Poelkapelle (Belgien).
  • 27. Oktober: Er wird bei einem freiwilligen Informationsritt bei Polekapelle am rechten Arm verwundet. Mehrere Operationen.
  • 1. Dezember: Er wird auf Veranlassung seines Onkels Georges Destouches, des Generalsekretärs der Medizinischen Fakultät von Paris, ins Militärkrankenhaus Val-de-Grâce in Paris verlegt.

Louis-Ferdinand erhält schliesslich per ministeriellen Erlass die Tapferkeitsmedaille, wobei die Verleihungsurkunde besagt, dass "er vom 24. November 1914 an zum Tragen des Ordens und zu den damit verbundenen Rentenbezügen berechtigt ist."

In Zeitungsartikeln wird er als Held gefeiert, unter anderem erscheint er auf der Titelseite von L'illustré national.

1915

Louis-Ferdinand erhält zusätzlich auch noch die neugeschaffene Auszeichnung Croix de Guerre.

Genesung und anschliessender Zivildienst als Delegierter am französischen Generalkonsulat in London (Grossbritannien) am Bedford Square.

  • 7. oder 16. Dezember: Offizielle Entlassung aus der Armee wegen Dienstuntauglichkeit. Er hat zu dieser Zeit den Rang eines Leutnants der Kürassiere inne.

1916

  • 19. Januar: Heirat mit der 24-jährigen Suzanne Germaine Nebout in London. Destouches wohnt zu dieser Zeit in 4 Leicester Street. Die Ehe ist aus formalen Gründen jedoch nicht rechtskräftig: wegen seiner Minderjährigkeit (?) und weil die Heirat nicht in den Akten der Botschaft verzeichnet wird, gilt Destouches bei seiner Rückkehr nach Frankreich als unverheiratet.
  • März: Destouches unterzeichnet einen Vertrag mit der Compagnie Forestière Sangha Oubangui / CFSO, um in der von Frankreich neu eroberten deutschen Kolonie Kamerun neue Handelsstrukturen aufzubauen. Von Duala aus soll ein Handelsposten in Campo Beach eingerichtet und Rohkautschuk und Elfenbein gegen europäische Handelsgüter eingetauscht werden.

Destouches schifft sich in Liverpool nach Freetwon (Sierra Leone) ein.

  • Ende Juni: Destouches ist Aufseher einer Kakaopflanzung und Kautschukfarm in Bikobimbo (Kamerun).
  • 29. August: Destouches schreibt in Bikobimbo das Gedicht "Gnomographie".

1917

  • 2. März: Nach der ordnungsgemässen Auflösung der Faktorei kehrt Destouches nach Duala zurück.

Einlieferung ins Hospital von Duala.

  • 30. April: Destouches beendet auf der Rückfahrt seine erste Erzählung, "Wellen".
  • 1. Mai: Ankunft in Liverpool.

Rückkehr nach Paris.

Destouches ist dann ein Dreivierteljahr als Faktotum beim Erfinder und Populärwissenschaftler Raoul Marquis (dem Vorbild für Courtial in Pereires in Tod auf Kredit) tätig, der auch die Zeitschrift Euréka herausgibt.

  • Herbst: Tätigkeit als Propagandist für die 1913 gegründete US-amerikanische Rockefeller Foundation. Im Dienst präventiver Hygiene bereist er mit einem Tuberkulose-Aufklärungstrupp die Bretagne.

1918

Destouches hält im Auftrag der Rockefeller Foundation Vorträge über Tuberkulose.

  • 10. März: Bei einem Festbankett in Rennes begegnet Destouches dem Mediziner Athanase Follet, Leiter der Medizinischen Akademie und des örtlichen Anti-Tuberkulose-Komitees. Follet ermutigt ihn, das fahrende Gewerbe aufzugeben und sich seiner Ausbildung zu widmen.

1919

  • 2. Juli: Destouches besteht das Abitur.
  • 10. August: Heirat mit Edith Follet, der 17-jährigen Tochter von Athanase Follet, in Quintin (Dép. Côtes-d'Armor). Die beiden lassen sich in Rennes nieder, im Erdgeschoss des Follet'schen Familendomizils am Quai Richemont.

Destouches schreibt sich an der Medizinischen Hochschule ein.

1920

  • 15. Juni: Geburt der Tochter Colette Destouches.

1921

  • November: Abschluss des Medizinstudiums in Rennes.

1923

  • Januar: Destouches absolviert den zweiten, praktischen Teil seiner medizinischen Ausbildung am Hôpital Cochin in Paris.

Die Ehe mit Edith Follet ist inzwischen gescheitert.

1924

  • 1. Mai: Destouches verteidigt seine Doktorarbeit Das Leben und Wirken des Arztes Ph. I. Semmelweis über den ungarischen Hygieniker Ignaz Philipp Semmelweis (1818-1865), die mit der Note "sehr gut" abgenommen wird. Eine Zusammenfassung erscheint in La presse médicale. Destouches erhält die Bronzemedaille der Commission des Prix des Thèses.
  • 27. Juni: Dr. Destouches beginnt eine dreijährige Tätigkeit in der Hygieneabteilung des Völkerbundes in Genf unter Leitung des jüdischen Dr. Ludwig Rajchman, wo er sich der gesundheitlichen Aufklärung widmet, namentlich Prävention und Hygiene. Rajchman wird später als "Judenzweck" in L'église und als "Judenblatt" in "Bagatelles pour un massacre auftauchen.

ab 1925

Ausgedehnte Reisetätigkeit für den Völkerbund. Auf einer Reise in die USA wird er im Weissen Haus in Washington von Präsident Calvin Coolidge empfangen. Weitere Reisen führen ihn nach Kuba, Kanada, Grossbritannien, in die Niederlande, nach Belgien und Italien.

1926

Destouches reist für den Völkerbund nach Nigeria und Senegal.

  • 21. Juni: Scheidung von seiner Frau Edith.

Bekanntschaft mit der 23-jährigen US-amerikanischen Balletttänzerin Elizabeth Craig, mit der er bis 1933 zusammenlebt.

Um den Jahreswechsel 1926/1927 beginnt Destouches die Niederschrift des Theaterstücks L'église, das jedoch keinen Verleger findet und erst 1933 nach dem Erfolg des Buchs Reise ans Ende der Nacht (1932) veröffentlicht wird.

1927

  • Sommer: Destouches verbringt die Zeit in Paris und redigiert sein Theaterstück Progrès (dt. Fortschritt; Arbeitstitel: Périclès) - gemäss dem Untertitel eine "Farce in drei Bildern und kurzen Zwischenspielen". Das Manuskript schenkt er 1933 der Gattin seines Verlegers Robert Denoël.
  • Oktober: Destouches firmiert nach Ablauf seines Dreijahresvertrags beim Völkerbund nun als freier Arzt auf dem Montmartre in Paris. Kurz darauf lässt er sich in Clichy an der Rue Alsace 36 nieder. Auf seinem Firmenschild ist zu lesen: "Doktor Louis Destouches, Arzt für Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde".

1929

  • Frühjahr: Destouches schliesst seine Praxis aufgrund Patientenmangels.

Er bietet sein erstes Theaterstück (L'église) und seinen ersten Roman (>i>Semmelweis) erfolglos dem bekannten Verlag Gallimard zur Veröffentlichung an.

Destouches beginnt als städtisch angestellter Mediziner am Dispensaire von Clichy in der Rue Fanny zu arbeiten, einer poliklinikähnlichen Gesundheitsfürsorgestätte, wo er für ein monatliches Gehalt von 2'000 Francs täglich eineinhalb Stunden Sprechstunde hält (jeweils von 17 bis 18 Uhr 30).

Zusätzlich ist Destouches als Korrespondent und Werbetexter für das Pharmalabor Biotherapie tätig.

  • August: Destouches zieht an die Rue Lepic 98 auf dem Montmartre in Paris, zwischen dem Boulevard Clichy und der gleichnamigen Vorstadt gelegen.

Arbeit am Buch Reise ans Ende der Nacht.

1929 veröffentlicht Destouches vier medizintechnische Artikel.

Auf Kosten des Völkerbunds reist er nach Nordeuropa und Skandinavien, nach Dresden, Prag und Wien.

1931

  • Jahresende: Fertigstellung des Manuskripts zum Buch Reise ans Ende der Nacht.

1932

  • März: Tod des Vaters Ferdinand Destouches.

Vertragsabschluss mit dem belgischen Verleger Robert Denoël zur Veröffentlichung des Buchs Reise ans Ende der Nacht.

Destouches Freundin Elizabeth Craig reist für ein Jahr in die USA. Er entschädigt sich dafür durch Affären mit den Gelegenheitsbekanntschaften Erika Irrgang und Cillie Pam.

  • Sommer: Reise nach Marseille und Grossbritannien.

Vorabdrucke von Reise ans Ende der Nacht in den Zeitschriften Europe und Cahiers du Sud.

  • September: Veröffentlichung des 700-seitigen Buchs Reise ans Ende der Nacht unter dem Pseudonym Louis-Ferdinand Céline, wie er sich fortan nach dem dritten Vornamen seiner Mutter nennt. Das Buch erlebt ein gewaltiges Publikumsecho, allein bis März 1933 erscheinen über 100 Besprechungen; über 5'000 Artikel widmen sich dem Werk in den kommenden knapp zehn Jahren. Rasch gilt Céline als Erfinder des literarischen anarchistischen Nihilismus, der mit allen Anschauungs- und Ausdrucksformen der etablierten Literatur gebrochen hat.
  • 31. Oktober: Destouches wendet sich an Lucien Descaves, um seine Kandidatur für den Prix Goncourt anzumelden. Den Preis erhält jedoch Guy Mazelines für sein Buch Die Wölfe.

Céline erhält den Prix Renaudot.

  • Dezember: Auf Kosten des Völkerbundes reist Destouches nach Berlin, wo er im Hotel Hessler absteigt. Kurz darauf ist er in Breslau (Erika Irrgang) und Wien (Cillie Pam).

1933

  • Jahresanfang: Destouches ist im Auftrag des Völkerbunds in Berlin, wo er die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung studieren soll.

Destouches erwirbt eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Saint-Germain-en-Laye.

  • Februar: Bereits sind 75'000 Exemplare des Buches Reise ans Ende der Nacht verkauft.
  • 1. März: Destouches veröffentlicht den Artikel "Werden sie den Arbeitslosen den Garaus machen, um der Arbeitslosigkeit den Garaus zu machen?", in dem er andeutet, Hitler könne die Arbeitslosigkeit am besten durch einen Krieg lösen:

...der Friede interessiert niemand, die Brüderlichkeit ödet alle an. Wenn er [Hitler] den Frieden in Deutschland gründen will, wird er es schwer haben, ein Stück Zucker zu bekommen, während man ihm für den Krieg alles Blut geben wird, das er mag.

Das Buch Reise ans Ende der Nacht wird in zahlreiche Sprachen übersetzt. Im Deutsche Reich erscheint im Verlag Julius Kittls Nachfolger eine stark gekürzte Übersetzung des Buchs Reise ans Ende der Nacht von Isaak Grünberg in Leipzig und Mährisch-Ostrau.

  • 9. April: Destouches schreibt in einem Brief an seinen Jugendfreund Joseph Garcin:

Das Monster setzt seinen Weg auf unerwarteten Pfaden fort. Die Kritik redet Blödsinn, ich bin der Sonderling, und ich werde weiterhin den Kasper geben, das ist nun mal meine Art - wie du weisst. Ich werde ihnen etwas Ordentliches vorsetzen [...]. Lügen, den letzten Mist erzählen, darauf kommt es an, Garcin. Man muss den Leuten geben, was sie hören wollen, die Wahrheit hat ausgedient.

  • Mai: Destouches klört in London mit John Marks letzte Fragend er englischen Übersetzung.

Die englische Übersetzung erscheint bei Chatto and Windus, kurz darauf die US-amerikanische bei Little Brown. In kurzer Folge werden drei Filmoptionen abgeschlossen, die jedoch sämtlich unverwirklicht auslaufen.

  • Juni: Destouches reist nach Basel, Zürich, London und New York.
  • 26. September: Veröffentlichung des Theaterstücks L'église bei Robert Denoël. Das Buch wird mit einer Banderole ausgeliefert: "Bardamu beim Völkerbund".
  • 1. Oktober: Destouches hält die jährliche "Zola-Rede" in Médan (Dép. Yvelines) zum 31. Todestag von Emile Zola. Darin schildert er die gesellschaftliche Entwicklung auf eine Katastrophe zu, spricht von einer "Kriegspsychose", vom "Vorabend einer ungeheuren, abermaligen Auflösung", die er mit dem (erstmals von Sigmund Freud 1920 verwendeten) Begriff des "Todestriebs" erklärt - tief im Menschen sei ein "Verlangen nach Nichts" angelegt. Es wird Destouches' einzige Literaturbetriebsansprache bleiben.

1933-1936

Zahlreiche Reisen.

Trennung von Elizabeth Craig. Affären. Bekanntschaft mit Lucette Almansor.

Arbeit am Buch Tod auf Kredit.

1934

Reisen nach Dänemark, Finnland, Berlin, München und Salzburg - Festspielsaison im Gefolge der Pianistin Lucienne Delforge.

1936

Aufführung von Célines Theaterstück L'église im Théâtre des Célestins in Lyon unter der Regie von Charles Gervais. Das Stück wird kurz nach der Premiere abgesetzt.

Veröffentlichung des Buchs Tod auf Kredit, das von der Verteidigungsschrift Apologie de "Mort à credit" seines Verlegers Robert Denoël gefolgt wird. Paul Nizan schreibt in seiner Besprechung, in Reise ans Ende der Nacht habe es "eine unvergessliche Denunzierung des Krieges und der Kolonien" gegeben, in Tod auf Kredit denunziere Céline "nur noch die Armen und die Besiegten."

Reise in die Sowjetunion.

Veröffentlichung der Propagandaschrift Mea culpa über die Reise in die Sowjetunion.

1937

Veröffentlichung der Propagandaschrift Bagatelles pour un massacre. Er sucht darin zu beweisen, dass nicht nur Frankreich, sondern auch die USA und die Sowjetunion vom internationalen Judentum beherrscht würden und in einen unmittelbar bevorstehenden Krieg hineingezogen werden sollten - einen Krieg, der "viel gründlicher, viel unerbittlicher, viel besser durchgeführt, viel blutiger" sein werde als die "letzte bürgerliche Verrücktheit 1914 bis 1918." In der Schrift heisst es auch: "Ich würde sehr gern mit Hitler ein Bündnis schliessen."

1937-1939

Kündigung der Anstellung als Arzt in Clichy und erneut gescheiterte Niederlassung als Allgemeinmediziner.

Dienstverpflichtung als Schiffsarzt an Bord der "Chella".

1938

Veröffentlichung der Propagandaschrift L'Ecole des cadavres. Darin tritt Destouches für ein französisch-deutsches Bündnis ein als für die "einzige Lösung", die den "ewigen französisch-deutschen Zwist, die ewige französisch-deutsche Schlächterei" beenden können - einen Zwist, der mit den Verträgen von Verdun im Jahre 843 begonnen habe. Destouches beschwört dabei das gemeinsame Ariertum, hebt das gemeinsame keltisch-germanische Erbe hervor und schreibt: "Getrennt, verfeindet, ermorden wir einander... Zusammen werden wir Europa lenken." Die Schrift wird unter dem Titel Die Judenverschwörung in Frankreich auch ins Deutsche übersetzt.

1940

  • 22. Juni: Waffenstillstand zwischen dem deutschen reich und Frankreich. Der nördliche und westliche Teil des Landes wird von deutschen Truppen besetzt, im südlichen Teil regiert General Pétain.

1941

Veröffentlichung der Propagandaschrift Les beaux draps, in der Destouches vor allem die nationale Erneuerung anregt. Zusätzlich macht er Vorschläge zu gesellschaftlicher Neuordnung im Sinne eines totalen Egalitarismus, eines "Überkommunismus", wie er ihn in einem Interview 1944 formuliert.

Der deutsche Botschafter Otto Abetz schlägt Destouches als Generalkommissar für Judenfragen vor, doch dieser lehnt ab.

Destouches ist bei der Gründung des Instituts für Judenfragen in Paris anwesend.

1942

Mehrtägige Reise nach Berlin.

Beginn der Niederschrift von Guignol's Band.

1943

Heirat mit Lucette Almansor.

1944

Veröffentlichung des Romans Guignol's Band 1.

Flucht nach Baden-Baden (Deutsches Reich).

  • Ende Oktober: Eintreffen in der französischen Exilkolonie Sigmaringen (Deutsches Reich).

1945

Flucht nach Dänemark.

  • 27. März: Ankunft in Kopenhagen.
  • 18. Dezember: Festnahme.

Tod der Mutter.

1946

  • 1. April: Die Werke von Louis-Ferdinand Céline stehen in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands neu auf der "Liste der auszusondernden Literatur".

1947

Vorläufige Entlassung und Aufenthalt in Kopenhagen bis 1948.

1948

  • 19. Mai: Eintreffen auf dem Landgut seines Anwalts In Klaarskovgaard, Korsör.

Rege Brieftätigkeit und Arbeit an Féerie pour un autre fois und Guignol's Band 2

1951

Verurteilung.

  • 26. April: Endgültiger Straferlass.

Rückkehr nach Frankreich, wo Destouches sich in Meudon (Dép. Hauts-de-Seine) nahe Paris niederlässt.

1952

Exklusivvertrag mit Gaston Gallimard.

1952-1957

Zurückgezogene Schreibtätigekit.

Veröffentlichung des Buchs Féerie pour un autre fois in zwei Teilen.

Arbeit am Buch Von einem Schloss zum anderen.

1957

Veröffentlichung des Buchs Von einem Schloss zum anderen, das ein grosses Publikumsecho erzeugt und ihm späten Ruhm bringt.

1960

Veröffentlichung des Buchs Norden.

1961

  • 1. Juli: Louis-Ferdinand Destouches stirbt gegen 18 Uhr.
  • 4. Juli: Beisetzung auf dem Friedhof von Meudon.

1992

Erfolgreiche Aufführung von Célines Theaterstück L'église in einer stark beschnittenen Textfassung (unter Auslassung der antisemitischen Untertöne).