Linus Reichlin

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Linus Reichlin

country CH.gif Schweizer Schriftsteller und Journalist ; geboren 9. Juni 1957 in Aarau

Bibliografie Weblinks

Linus Reichlin arbeitet seit 1985 als Journalist, war zwischendurch auch mal als Werbetexter für Kinderbadezubehör tätig und hielt sich längere Zeit in Südfrankreich und Kanada auf. 1990 gehörte er Noch 1991 aber las er für die Besetzer des geplanten Waffenplatzes Neuchlen-Anschwilen, gehörte 1990 gar zu den Trägern des Zürcher Journalistenpreises. Und offenbar hat er sogar mal ein voll ernsthaftes Buch geschrieben - Kriegsverbrecher Wipf, Eugen : Schweizer in der Waffen-SS : in deutschen Fabriken und an den Schreibtischen des Dritten Reiches (1994). 1996 gehörte er zu den Befürwortern eines "Rechtschreibreformdispens" für über 35jährige.

Spätestens seit Mitte der 1990er Jahre war Linus Reichlin der wohl erfolgreichste und sicherlich beste Schweizer Kolumnist, der u. a. folgende Kolumnen veröffentlichte:

  • eine mir namentlich nicht bekannte Kolumne in der deutschen Wochenzeitung Die Zeit
  • "Cyberia" (bis Ende 1997) in der Weltwoche - eine einigermassen ernsthafte Kolumne über die sagenhafte Welt der Betriebssysteme und weltweiten Netze
  • "Postkartengrüsse" in der Weltwoche - absurde Kommentare zu einigermassen unverfänglichen Fotos
  • "Moskito" (etwa 1998 bis Mai 2002) in der Weltwoche - eine weniger ernsthafte, aber umso respektlosere Kolumne über alles, was noch Zähne hat: Vergangenheitsbewältigung, Segondos, Computerspiele, junge Schriftstellerinnen, Goethe und Hühneraugen
  • "L. R. Confidential" (ab Mai 2002) im Magazin Facts

Seine damaligen Werke trugen Titel wie Kampf dem Orgasmus! (1999) oder Wie man endlich glücklich wird (2001). In ersterem beispielsweise wird nicht nur die Frage nach der Ejakulatmenge des Mannes erschöpfend behandelt, endlich erfahren wir auch, was es mit Hodenbadegruppen auf sich hat. Auch wenn dieses Buch von einem Mann geschrieben wurde, so ist es doch für Frauen geeignet, die sich in die komplexe Welt der männlichen Sexualität einarbeiten wollen. Angeblich auch durchaus dafür, um sich von allfällig vorhandenem Penisneid zu befreien. So oder so macht Sex nicht glücklich, sagt Linus Reichlin. Er habe einfach "etwas Mittelalterliches, erinnert an düstere Lehmbauten, in denen Leute in übelriechenden Grossfamilien auf engstem Raum zusammenlebten, ständig umgeben von neugierigen Mitmenschen, die ihnen während einer Schädeltrepanation auf dem Marktplatz sogar ins Gehirn guckten."

Deshalb schreibt Reichlin zusätzlich auch gern über Computer, Internet und alles was daraus folgt. An einem von der Zeit ausgelobten Internet-Literaturwettbewerb 1997 schrieb er: "Streng genommen hat Literatur im Internet nichts zu suchen. Sie ist zu langsam und muss naturgemäss mit bloss 26 graphischen Elementen auskommen, die wir schon zu oft gesehen haben." Klar, dass Reichlin in seinem Beitrag gleich die Werkzeuge zur wahlweisen Beschleunigung, Komprimierung 14:1 und Beseitigung von Literatur anbot. In seinem interaktiven Web-Abenteuer Kafka im Weltraum vertrieb sich der centaurische Frachtpilot UŽRa Kanto derweil die Zeit bis zum Erreichen des nächsten intergalaktischen Verladebahnhofs mehr recht als schlecht mit Pilotenschnaps aus der Helmreserve seines Astronautenanzugs. Kanto transportierte das kostbare Tritonium, das vom Volk der Centauren zur Brillenherstellung benötigt wird. Auf seiner alkoholumnebelten Reise durch die Leeren des Universums empfängt der einsame Pilot plötzlich scheinbar intelligente Signale von der Erde, wo man ihm zunächst gar nicht wohl gesonnen ist: "Überall zeigt man auf ihn, mit Fingern, manchmal auch mit metallenen Rohren, aus denen kleine, ihm unbekannte Partikel auf ihn zufliegen. Überall ist er unbeliebt." Ähnlich geht es Reichlin selbst, die WoZ bezeichnete seine Elaborate gar als "Schnarchspalten" die das "Niveau der Kunstform Kolumne" senkten - aber das ging Reichlin vermutlich kalt am Arsch vorbei.

Seit einiger Zeit versäubern sich nun auch Linus Reichlins Moskito Movies im Netz, z. B. ein Film über das beklemmende Schicksal eines Akkord-Chirurgen... Zudem stellte Reichlin im Mai 2002 seine Weltwoche-Kolumne "Moskito" ein und heuerte bei Facts an, wo er jahrelang die Kolumne "L. R. Confidential" verbrach.

Seit 2007 ist er als freier Schriftsteller tätig und hat bisher zwei Kriminalromane veröffentlicht: Die Sehnsucht der Atome (2008) und Der Assistent der Sterne (2009).

Linus Reichlin lebt in Berlin und Zürich.

Linus Reichlin ist mit Aufmachung und Inhalt dieser Seite nicht einverstanden und bat mich am 30. Januar 2008 mit freundlichen Grüssen, die Seite entweder zu löschen (was für ein genialer Einfall!) oder dies hier zu vermerken.

Auszeichnungen

  • 1992 Zürcher Journalistenpreis
  • 1996 Ben-Witter-Preis der Zeit
  • 2009 Deutscher Krimi Preis (1. Platz National) für Die Sehnsucht der Atome (2008)