Jules Vallès

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Jules Vallès

country CH.gif Französischer Revolutionär und Schriftsteller ; geboren 11. Juni 1832 in Puy-en-Velay (Dep. Haute-Loire, Frankreich) als Louis Jules Vallez, gestorben 14. Februar 1885 in Paris (Frankreich)

Biografie Bibliografie Galerie Weblinks

Jules Vallez wurde als Sohn eines Grundschullehrers aus bäuerlichen Verhältnissen geboren und mit grosser Disziplin und extremer Härte erzogen. Bedingt durch mehrere Stellungswechsel seines Vaters verbrachte er seine Jugend in Saint-Etienne und ab 1846 in Nantes, wo er bei Ausruf der Zweiten Republik 1848 als 16-jähriger zum Verdruss seines Vaters eine extremistische Bewegung ins Leben rief, die die Abschaffung des Reifezeugnisses und sämtlicher Diplome forderte. Vorübergehend auf das Lycée Bonaparte (heute Lycée Condorcet) in Paris geschickt, scheiterte er in Nantes bei der Reifeprüfung, überwarf sich mit seinem Vater und kehrte nach Paris zurück, wo er sich für die Ideen Pierre Joseph Proudhons, des damals bekanntesten französischen Sozialisten begeisterte und zu den Anführern des Aufruhrs um die Entlassung Jules Michelets vom Collège de France gehörte. Nach dem Staatsstreich Louis Napoleon Bonapartes vom 2. Dezember 1851, der in ganz Frankreich zu blutigen Kämpfen führte, rief Vater Vallès, um seine eigene Lage und vor allem um seinen Lehrerposten besorgt, den kompromittierenden Sohn nach Nantes zurück und liess ihn am 31. Dezember 1851 unter dem Vorwand der Geistesgestörtheit in eine Irrenanstalt einweisen, wo er bis zum 2. März 1852 interniert blieb.

Bald darauf wurde er Sekretär des Literaturkritikers Gustave Planche und veröffentlichte 1857 seine erste Schrift, L'argent, ohne Nennung des Autors. Zugleich schrieb er für verschiedene Zeitungen wie Le Figaro, L'événement und Liberté. Längere Zeit war er auch Beamter im Rathaus von Vaugirard.

In seinem ersten Buch Les réfractaires (1865) unter dem Namen Jules Vallès, eine Sammlung von Artikeln, die zuerst in der Zeitung Le Figaro erschienen war, schrieb er einleitend:

"Meine Refrektäre, meine Abtrünnigen, treiben sich umher auf den Misthaufen der grossen Städte... Abtrünnige sind Leute, die alles angefangen haben und nichts geworden sind. Sie haben alle Fakultäten besucht - sie bekamen keinen Grad, kein Patent und kein Diplom...

Der ist ein Abtrünniger, der mit den Füssen nicht im Leben steht, weil er keinen Beruf, keinen Stand, kein Handwerk übt und der sich nicht betiteln kann, sei es als Möbeltischler, Notar, Doktor oder Schuster, und dessen einziges Gepäck seine Manie ist - blöd oder gewaltig, fad oder berühmt und einerlei, ob er Kunst, Literatur, Astronomie, Magnetismus oder Handleserei betreibt, oder ob er per Zufall eine Bank, eine Schule oder eine Religion zu gründen trachtet.

Der Abtrünnige in Paris durchläuft die Spiessrutengassen der Zischenden und der Auslachenden; er schreitet mit offener Brust und flammendem Stolze geradeaus, ohne den Weg zu überlisten. Das Elend bläst ihn mit eisigem Hauche an, packt ihn am Halse und schmeisst ihn in die Gosse; so fallen, welken und sterben gar oft die tapferen Naturen, weil sie, blind wie sie waren, der Lebenswirklichkeit ins Gesicht gelacht, weil sie der Gefahren und der Forderungen gespottet haben. Die Wirklichkeit zwingt sie zu einem zehnjährigen Todeskampf ohne Grösse, voll grotesker Schmerzen und ruhmloser Opfer."

1867 gründete er die Zeitschrift La rue, die aber nach 27 Ausgaben polizeilich unterdrückt wurde. Während eines zweimonatigen Gefängnisaufenthalts gab er auch die Zeitschrift Journal de Sainte-Pélagie (1868) heruas, später ausserdem Le peuple (1869; 15 Ausgaben) und Le réfractaire (3 Nummern).

Nach dem 4. September 1870 liess er sich in die Internationale aufnehmen, wurde Chef eines Bataillons der Nationalgarde und beteiligte sich als solcher bei allen Meutereien während der Belagerung von Paris. Nach der Kapitulation der Stadt gründete er die Zeitung Le cri du peuple (1871), das offizielle Organ der Häupter der Nationalgarde, und wurde nach dem Aufstand vom 18. März 1871 zum Mitglied der Pariser Kommune gewählt. Nach dem Einrücken der Truppen von Versailles gelang es ihm, nach Belgien zu entkommen. 1872 in seiner Abwesenheit zum Tode verurteilt, war er später von London aus als Mitarbeiter der sozialistischen Zeitschrift La résolution française tätig.

Nach der Amnestie vom Juli 1880 nach Paris zurückgekehrt, lebte er von seiner belletristischen Arbeit. Sein bekanntestes Werk ist zweifelsohne die zwischen 1879 und 1886 veröffentlichte Trilogie Jacques Vingtras, einer der grossen autobiografischen Romane der Weltliteratur, ebenso bedeutend wie Gorkis oder Strindbergs Lebensgeschichte. Vallès zeigt, wie er Aufrührer und Revolutionär wurde: Nicht durch Theorien, Ideologien, Bücher, romantische Vorbilder oder weil er zu faul zum arbeiten war, sondern durch die Erfahrung des alltäglichen Elends, die Unterdrückung und Verlogenheit in der Familie, durch das Elend der Sinnlosigkeit und Demütigungen in der Schule, durch Armut und Arbeitslosigkeit, die den Absolventen der staatlichen Bildungseinrichtungen tagaus, tagein erniedrigten.

Er starb 52-jährig am 14. Februar 1885 in seiner Wohnung in Paris und liegt auf dem Friedhof Père-Lachaise begraben.