Betty Harris

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Betty Harris 1963

country CH.gif US-amerikanische Soul-Sängerin ; geboren 1939 in Orlando (Florida, USA) als Betty Harridick

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Betty Harridick war die Tochter eines Pfarrers und einer Pfarrerin und wuchs im US-Staat Alabama auf. Ihre Jugend beschrieb sie später als "church, church, church." Da sie sich weniger für Gospel, sondern mehr für Rhythm'n'Blues interessierte, verliess sie schon als 17-jährige das fromme Elternhaus und begann unter dem Namen Betty Harris aufzutreten.

In Kalifornien versprach ihr der Manager Marvin "Babe" Chivian 1963 eine Karriere, falls sie an die Ostküste zurückkehren würde, wo er mit Solomon Burke und dessen Single Cry to me (1961; US #44, US R&B #5) bereits einen Hit hatte landen können. Chivian stellte sie also in New York dem Produzenten Bert Berns (1929-1967) vor, dem sie gleich im Büro ihre langsame Fassung des Lieds vorsang. Harris: "That's how dumb I was! I was just a country girl, I had no idea how powerful this guy was." Für die echte Aufnahme waren schliesslich bloss drei Takes nötig. Jubilee Records veröffentlichte Harris' Single Cry to me (1963; US #23, US R&B #10), die bald ein grösserer Hit als Burke's Original wurde und mithalf, den sogenannten "Deep Soul" beliebt zu machen, die gospelgetränkte Musik aus den Südstaaten, die bald zum Markenzeichen von Wilson Pickett, Otis Redding und Aretha Franklin werden sollte. Nach dem Erfolg von "Cry to me" trat Harris im Apollo Theater in New York auf und ging auf Tournee durch die USA. Zwar produzierte Berns noch weitere zwei Singles für Jubilee, darunter His kiss (1964; US #89, US R&B #15), doch der grosse Erfolg wollte sich nicht einstellen.

Während einer Tournee lernte Harris 1965 den Produzenten Allen Toussaint aus New Orleans kennen, für dessen neugegründetes Plattenlabel Sansu Records sie sogleich die erste Single aufnahm, What a sad feeling (1965). Für die nächsten vier Jahre blieb sie bei seiner Firma und Toussaint schrieb sämtliche Lieder für sie. Zum grossen Erfolg kam es allerdings auch hier nicht, doch wurden ihre Singles immerhin lokale Hits in New Orleans und Nearer to you (1967; US #85, US R&B #16) schaffte es sogar in die nationalen Charts. Toussaint hinterlegte ihre Stimme dabei mit harten, funky Beats, die von den Musikern gespielt wurden, die später zu den Meters wurden. Zu ihren besten Liedern aus dieser Zeit gehören "Sometime", "Mean man", "Hook, line and sinker" und "Ride your pony".

Für die Aufnahmesitzungen flog Harris jeweils extra nach New Orleans, musste aber dort oft wochenlang in einem Hotelzimmer warten, bis Toussaint endlich dafür bereit war, ihre Stimme aufzunehmen. Keines ihrer Plattenlabel bezahlte Harris die ihr zustehenden Royalties. Der Plan, mit Otis Redding auf Europatournee zu gehen, zerschlug sich nach dessen unerwartetem Tod Ende 1967. Etwa 1967 gebar sie auch ihr erstes Kind, Selwyn. Nachdem ihre Karriere nicht weiter vom Fleck kam, ging sie erst nach Miami (Florida, USA), wo sie in einem Club aufzutreten begann, und zog sie sich schliesslich um 1970 ganz aus dem Musikgeschäft zurück. Harris: "Otis had passed. Bert had passed. Babe had passed. I looked at this business and said maybe this isn't what God wanted me to do. I came out of high school with such high hopes, and as much as I loved singing, I just did not find things in the world the way I thought it was. I had to find me."

Sie heiratete dann und lebte mir ihrer Familie in Florida. Um 1982 gebar sie im fortgeschrittenen Alter noch eine Tochter, Christina. Neben ihren Familienpflichten sang sie jedoch trotzdem weiter - in Kirchen und an Gemeindeanlässen, wie sie es schon in ihrer Kindheit getan hatte. 1997 zog sie nach Hartford (Connecticut, USA), wo sie beim Artists Collective auch Gesangsunterricht zu geben begann.

2001 fand ihre Tochter Christina im Internet heraus, dass ihre Mutter berühmt war! Bereits 1975 hatte Clive Anderson in seinem Buch Soul music geschrieben: "[Harris] has a good claim to soul supremacy [...] She is quite simply the best soul singer caught on wax today." In der Zwischenzeit hatten verschiedene Fans Betty Harris-Websites geschrieben und ihre alten Singles kosteten bis zu 50 US-Dollar. Über die Jahre hatten sich verschiedene Gerüchte etabliert die sie allesamt richtigstellte: Sie wurde nicht 1941 oder 1943 geboren (sondern 1939); sie war nie das Hausmädchen von Big Maybelle; sie war auch nie Roadie für James Carr; und war inzwischen auch nicht Lastwagenfahrerin geworden. In Wirklichkeit hatte sie von Big Maybelle erste gesangliche Unterstützung bekommen, hatte mit James Carr 1967 das Duett "I'm a fool for you" aufgenommen und sich mit einem Lastwagenfahrer verheiratet.

Nach langer Abwesenheit kehrte sie 2004 ins Musikgeschäft zurück und nahm im Herbst ihren Hit "Cry to me" neu auf - als Musiker mit dabei waren Chris Stovall Brown (Gitarre), Sax Gordon Beadle (Saxofon), Tom West (Tasteninstrumente), Robert Clinton (Bass), Ed Scheer (Schlagzeug) und Scott Aruda (Trompete). Am 17. April 2005 gab sie in Hartford ihr erstes Konzert seit über 35 Jahren und trat einige Wochen später auch am jährlichen "Ponderosa Stomp" in New Orleans auf. Sie trat seither bei verschiedenen Gelegenheiten in den USA und Europa auf. 2006 tourte sie durch Australien und trat in der Fernsehsendung "Rockwiz" auf, wo sie "Cry to me" sowie das Duett "Love lots of lovin'" mit dem australischen Sänger John Paul Young sang. 2007 trat sie am "Porretta Soul Festival" in Italien auf und veröffentlichte das von Jon Tiven produzierte neue Album, Intuition.